Neue Arbeitsschutz-Regeln: Mehr Flexibilität für Kleinbetriebe
Seit einem Jahr gilt die überarbeitete DGUV Vorschrift 2 und bringt vor allem für kleine Betriebe bis 20 Mitarbeiter mehr Freiraum bei der Organisation von Sicherheit und Gesundheitsschutz. Doch was bedeutet das konkret für Unternehmer und Beschäftigte?
Arbeitsschutz: Pflicht für alle Betriebe
Ob Ein-Mann-Betrieb oder Mittelständler mit 50 Beschäftigten: Jeder Arbeitgeber ist gesetzlich verpflichtet, sichere Arbeitsbedingungen zu gewährleisten. Die neuen Regelungen der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV) erleichtern es nun besonders Kleinunternehmen, ihre Verantwortung im Arbeitsschutz flexibel zu organisieren.
Statt sich ausschließlich auf externe Sicherheitsfachkräfte oder Betriebsärzte zu stützen, können Chefs nun stärker selbst aktiv werden. Möglich macht das das sogenannte „Unternehmermodell“, bei dem Führungskräfte durch Schulungen und Weiterbildungen selbst die nötige Fachkenntnis erwerben, um Sicherheit im Betrieb eigenständig umzusetzen.
Weniger Bürokratie, mehr Eigenverantwortung
Während Betriebe mit mehr als 50 Mitarbeitern weiterhin die klassische Betreuung durch Fachkräfte für Arbeitssicherheit und Arbeitsmediziner nutzen müssen, dürfen Kleinunternehmen ihre Organisation freier gestalten.
- Bis 20 Mitarbeiter: Unternehmer können die Gefährdungsbeurteilung selbst übernehmen, Gefahren dokumentieren und Schutzmaßnahmen einleiten. Externe Fachkräfte werden nur bei Bedarf hinzugezogen.
- 20 bis 50 Mitarbeiter: Hier besteht die Wahl: Entweder klassische Betreuung durch Fachkräfte oder das Unternehmermodell mit verpflichtenden Schulungen und Fortbildungen.
- Über 50 Mitarbeiter: Pflichtbetreuung durch Fachkräfte bleibt bestehen, allerdings mit der Option, Teile der Verantwortung über das Unternehmermodell abzudecken.
Unfallzahlen gehen zurück – aber Risiken bleiben
Ein Blick auf die Statistik zeigt: 2024 wurden deutlich weniger Arbeits- und Wegeunfälle gemeldet als im Vorjahr. Laut DGUV sank die Zahl der meldepflichtigen Arbeitsunfälle von 715.694 (2023) auf 684.308 (2024). Auch Wegeunfälle gingen zurück – von 158.168 auf 148.010.
Dennoch bleibt die Gefahr schwerer Unfälle hoch: Jeder fünfte Vorfall führt zu längeren Ausfallzeiten, oft über vier Wochen. Besonders dramatisch: Die Zahl der tödlichen Wegeunfälle stagniert bei 152 Fällen – hier konnte trotz aller Prävention kein Rückgang erzielt werden.
Praxisbeispiel: Handwerksbetriebe zwischen Theorie und Alltag
Für viele Chefs kleiner Handwerksbetriebe ist Arbeitsschutz zwar selbstverständlich, doch im Alltag fehlt oft die Zeit, sich intensiv darum zu kümmern. Ein Beispiel ist ein Fensterbaubetrieb aus Neckarsulm: Mit 16 Mitarbeitern setzt der Inhaber auf das Unternehmermodell und arbeitet zusätzlich eng mit der Kreishandwerkerschaft zusammen. Dort werden nicht nur Pflichtunterweisungen organisiert, sondern auch praktische Arbeitsschutz-Tage angeboten, inklusive arbeitsmedizinischer Vorsorge.
„Fällt ein Mitarbeiter durch einen Arbeitsunfall aus, wird es teuer – für den Betrieb und für den Menschen. Deshalb ist Prävention die beste Investition“, betont der Unternehmer.
Arbeitsschutz lohnt sich – auch für das Image
Neben der gesetzlichen Pflicht bringt ein gut organisierter Arbeitsschutz auch Vorteile im Wettbewerb. Betriebe, die ihre Mitarbeiter konsequent schützen, punkten bei der Fachkräftegewinnung und stärken ihr Image nach außen. Roland Müller, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Heilbronn-Öhringen, bringt es auf den Punkt: „Wir helfen den Chefs auf Augenhöhe beim Arbeitsschutz – das ist nicht nur Sicherheit, das ist auch ein Pluspunkt für die öffentliche Wahrnehmung.“
Sicherheit als Wettbewerbsvorteil
Die neuen DGUV-Regeln schaffen mehr Handlungsspielraum, fordern aber auch mehr Eigeninitiative von Unternehmern. Kleinbetriebe können nun flexibler entscheiden, wie sie den Arbeitsschutz organisieren – ob mit externer Unterstützung oder in Eigenverantwortung.
Klar ist: Wer in Prävention investiert, senkt nicht nur Unfallrisiken, sondern steigert auch die Attraktivität seines Unternehmens.
Quelle: Magazin handwerk