Probezeit in der Ausbildung: Worauf Betriebe jetzt besonders achten sollten

Probezeit in der Ausbildung: Worauf Betriebe jetzt besonders achten sollten

Die Monate August und September markieren traditionell den Start des neuen Ausbildungsjahres. Damit beginnt auch für tausende Betriebe und ihre Auszubildenden die wichtige Probezeit – eine Phase, die über den weiteren Verlauf der Ausbildung entscheidend mitbestimmt.

Chance für beide Seiten

Die ersten Monate einer Ausbildung gelten als Testlauf: Der Azubi kann herausfinden, ob er sich tatsächlich den richtigen Beruf ausgesucht hat, während der Betrieb prüft, ob der oder die Neue ins Team passt. Die gesetzlich festgelegte Probezeit beträgt dabei mindestens einen und höchstens vier Monate. Innerhalb dieser Zeit kann das Ausbildungsverhältnis unkompliziert beendet werden – ohne Angabe von Gründen und ohne Kündigungsfrist.

Nach der Probezeit greift besonderer Schutz

Mit Ablauf der Probezeit wird es für Betriebe schwieriger, das Ausbildungsverhältnis zu beenden. Während Auszubildende unter Einhaltung einer vierwöchigen Frist kündigen dürfen, ist für Unternehmen nur noch eine außerordentliche, fristlose Kündigung aus wichtigem Grund möglich. Damit genießen Lehrlinge nach der Probezeit einen erhöhten gesetzlichen Schutz. Um Konflikte und Abbrüche zu vermeiden, raten Expertinnen und Experten, die Probezeit aktiv für eine stabile Grundlage zu nutzen.

Erfolgreiche Probezeit: Tipps für Betriebe

Claudia Klemm, Leiterin der Berufsbildungsabteilung beim Verband des Tischlerhandwerks, empfiehlt Betrieben, die gesamte mögliche Dauer der Probezeit auszuschöpfen. Nur so lasse sich ein realistisches Bild von den Fähigkeiten und dem Verhalten der neuen Auszubildenden gewinnen.

Besonders wichtig sei in den ersten Wochen eine enge Betreuung:

  • Regelmäßige Gespräche helfen, Erwartungen klar zu kommunizieren und Orientierung zu geben.
  • Rituale und feste Termine, etwa ein wöchentliches Gespräch über das Berichtsheft, schaffen Struktur und Sicherheit.
  • Konstruktives Feedback stärkt das Selbstvertrauen junger Menschen und unterstützt ihre Entwicklung.

Unterstützung von außen nutzen

Gerade weil Azubis die jüngsten und unerfahrensten Teammitglieder sind, reagieren sie häufig unsicher. Fehlt es an Ressourcen im Betrieb, können begleitende Hilfsangebote genutzt werden – etwa kostenfreie Unterstützungsmaßnahmen der Arbeitsagenturen.

Fazit

Die Probezeit ist weit mehr als nur eine rechtliche Formalität. Sie bietet die Chance, Vertrauen aufzubauen, Erwartungen abzugleichen und eine erfolgreiche Ausbildung vorzubereiten. Wer diese Phase ernst nimmt und seine Auszubildenden intensiv begleitet, legt den Grundstein für ein stabiles Ausbildungsverhältnis – und damit auch für die Fachkräfte von morgen.

Quelle: Magazin Perspektiven