Gefälschte Gebrauchtwagen-Angebote: Hersteller und Händler warnen vor neuer Betrugswelle
Immer mehr Autohäuser und Händler werden Opfer professioneller Betrugsmaschen. Gefälschte E-Mails mit täuschend echten Fahrzeugkatalogen locken mit Traumpreisen – doch am Ende zahlen nur die Betroffenen.
Die Zahl betrügerischer Gebrauchtwagen-Angebote im Internet steigt rasant. Autohersteller wie Porsche, Mercedes-Benz, Audi und Volkswagen sowie zahlreiche freie Händler und Vermieter warnen derzeit eindringlich vor professionell gefälschten E-Mails, die im Namen bekannter Betriebe verschickt werden. Ziel der Täter: Anzahlungen für Fahrzeuge kassieren, die es nie gegeben hat.
Porsche-Zentrum als Lockvogel: Fachmagazin „kfz-betrieb“ selbst ins Visier geraten
Wie raffiniert die Masche inzwischen abläuft, zeigt ein Vorfall beim Fachmagazin „kfz-betrieb“. Dessen Redaktion erhielt im Dezember eine E-Mail, die angeblich von einem Porsche-Zentrum verschickt worden war. Im Anhang befand sich ein Katalog mit „hochwertigen Fahrzeugen zu stark reduzierten Preisen“.
Bei genauer Prüfung fielen jedoch Ungereimtheiten auf – etwa eine leicht abweichende E-Mail-Adresse, die nicht zur offiziellen Domain des Händlers gehörte. Eine Rückfrage beim echten Porsche-Betrieb brachte Gewissheit: Es handelte sich um einen Betrugsversuch.
Und dieser Fall ist keineswegs eine Ausnahme. Nach Angaben des Zentralverbands Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK) haben sich solche Vorfälle seit Anfang 2024 sprunghaft vermehrt. Offenbar gelingt es den Tätern immer wieder, mit gefälschten Angeboten erhebliche Summen im fünfstelligen Bereich zu erbeuten.
So gehen die Täter vor
Die Vorgehensweise ist stets ähnlich:
- Versand von gefälschten Fahrzeugkatalogen, Rechnungen und Kaufverträgen
- Nutzung realer Namen von Autohäusern und Mitarbeitern
- Angabe von Telefonnummern, bei denen tatsächlich jemand abhebt
Während frühe Mails noch durch Rechtschreibfehler auffielen, wirken die Betrugsversuche heute immer professioneller – seriös formuliert, mit echten Ansprechpartnern und überzeugenden Dokumenten.
Prominente Opfer: DB Autohaus und Arndt Automobile
Besonders betroffen ist auch das DB Autohaus, das Fahrzeuge aus dem Bahn-Konzern vermarktet. Schon im Herbst 2024 warnte das Unternehmen vor gefälschten Angeboten. Doch trotz Strafanzeigen verliefen Ermittlungen bislang im Sande. Mehr als 100 Händler meldeten sich dort in den letzten Monaten mit Verdachtsfällen.
Auch Arndt Automobile aus Neuss wurde ins Visier genommen. Das Unternehmen richtete sogar einen Krisenstab ein, nachdem es täglich von bis zu 40 besorgten Händlern kontaktiert wurde. Der geschätzte Schaden: rund eine Million Euro.
Ermittlungen schwierig – Täter kaum greifbar
Das Landeskriminalamt Baden-Württemberg betont, dass Ermittlungen erschwert werden, weil die Täter auf Anonymität und ausländische Provider setzen. Überweisungen landen häufig auf Konten von Geldwäschern, wodurch das Geld kaum zurückzuholen ist. Strafrechtlich sind die Hürden hoch, zivilrechtlich müssen Betroffene meist selbst aktiv werden.
Schutz vor Fake-Angeboten: Das raten Experten
Damit Händler nicht in die Falle tappen, empfehlen Experten:
- Angebote immer über offizielle Kontaktdaten der Händler prüfen, nicht über die in der Mail angegebenen Nummern.
- Verdächtige E-Mails sofort dokumentieren und die Polizei informieren.
- IT-Systeme durch Spezialisten auf kompromittierte Postfächer überprüfen lassen.
- Auf der eigenen Website aktiv über Betrugsversuche informieren.
- Interne Prozesse zur Echtheitsprüfung von Angeboten etablieren.
Der ZDK betont, dass der „Faktor Mensch“ entscheidend sei: Wer aufmerksam bleibt, kann dubiose Angebote rechtzeitig erkennen.
Fazit: Betrug nimmt zu, Wachsamkeit ist Pflicht
Gefälschte Gebrauchtwagen-Angebote sind längst kein Einzelfall mehr, sondern ein branchenweites Problem. Da die Täter immer professioneller agieren, sind Händler und Kunden gleichermaßen gefordert, aufmerksam zu bleiben. Klar ist: Die Zahl der Betrugsfälle wird weiter steigen – und nur durch konsequente Sensibilisierung lassen sich größere Schäden verhindern.
Quelle: Magazin kfz-betrieb