Stundenverrechnungssätze: Warum viele Werkstätten Geld verschenken

Stundenverrechnungssätze: Warum viele Werkstätten Geld verschenken

Der Stundenverrechnungssatz entscheidet mit darüber, ob ein Handwerksbetrieb wirtschaftlich arbeitet oder Monat für Monat Verluste kaschiert. Trotzdem wird er in vielen Werkstätten eher geschätzt als sauber berechnet. Ein aktueller Branchenaustausch zeigt, warum das riskant ist und wie Betriebe mehr Klarheit in ihre Kalkulation bringen können.

Der Blick zum Nachbarn reicht nicht aus

In vielen Kfz- und Karosseriebetrieben entsteht der Stundenverrechnungssatz nach einem einfachen Prinzip: Man orientiert sich an der Konkurrenz im Umfeld und bleibt ein wenig darunter. Manche setzen ihn etwas höher an, wenn Ausstattung, Qualifikation oder Selbstbewusstsein stimmen. Was dabei oft fehlt, ist der Blick auf die eigenen Zahlen.

Genau das ist eines der zentralen Probleme, wie Experten beim Kfz-Sachverständigenforum in Würzburg deutlich machten. Dort wurde offen darüber gesprochen, dass vor allem kleinere Betriebe ihre tatsächlichen Kosten häufig nicht im Detail kennen. Während große Autohausgruppen mit Kennzahlen arbeiten, wird im freien Betrieb oder im Karosserie- und Lackhandwerk oft aus dem Bauch heraus kalkuliert.

Kostenblind kalkulieren wird schnell teuer

Nach Einschätzung des Zentralverband Karosserie- und Fahrzeugtechnik e. V. führt diese Vorgehensweise regelmäßig dazu, dass Werkstätten unter Wert arbeiten. Wer seine Preise nur am Markt ausrichtet, weiß zwar, was andere verlangen, nicht aber, ob diese Betriebe dieselben Fixkosten, Löhne, Investitionen oder Auslastungsprobleme haben.

Die Folge: Bei niedrigen Stundensätzen zahlt der Inhaber jede Arbeitsstunde im Zweifel aus dem eigenen Vermögen drauf. Das bleibt oft lange unbemerkt, weil der Betrieb ausgelastet ist, das Konto aber trotzdem nicht wächst.

Ein Stundensatz ist keine einfache Zahl

Unternehmensberater Michael Zülch machte in Würzburg deutlich, dass es den einen, „richtigen“ Stundenverrechnungssatz nicht gibt. Entscheidend ist, wie er eingeordnet wird. In der Praxis existieren mehrere Varianten:

  • der ausgehängte Stundensatz
  • der rechnerisch kostendeckende Stundensatz
  • der tatsächlich erzielte Stundensatz

Hinzu kommen unterschiedliche Sätze je nach Gewerk, etwa für Mechanik, Karosserie, Lack oder Arbeiten an Hochvolt-Fahrzeugen. Erst im Zusammenspiel mit Faktoren wie Auslastung, Kostenstruktur, Kundenmix und Materialmargen bekommt der Stundenverrechnungssatz eine echte Aussagekraft.

Hohe Spanne, große Wirkung

In der Branche kursieren sehr unterschiedliche Zahlen. Die Bandbreite reicht von unter 100 Euro bis hin zu mehreren hundert Euro pro Stunde. Extreme Ausreißer sorgen dabei auf beiden Seiten für Unmut. Kunden hinterfragen hohe Sätze schnell, Mitarbeiter vergleichen den verrechneten Betrag mit ihrem eigenen Lohn. Beides kann das Betriebsklima belasten, wenn der Stundensatz nicht nachvollziehbar begründet ist.

Die Basis ist der kostendeckende Satz

Wer seinen Betrieb solide führen will, kommt an einer betriebswirtschaftlichen Berechnung nicht vorbei. Ausgangspunkt ist immer der kostendeckende Stundenverrechnungssatz. Dafür werden sämtliche betrieblichen Kosten aus der BWA oder der Gewinn- und Verlustrechnung herangezogen und durch die tatsächlich verkauften Stunden geteilt.

Ein vereinfachtes Beispiel zeigt die Wirkung:

  • Betriebliche Kosten von rund 90.000 Euro bei 8.610 verkauften Stunden ergeben einen kostendeckenden Satz von gut 110 Euro.
  • Werden zusätzliche kalkulatorische Kosten wie Miete oder Unternehmerlohn berücksichtigt, steigt der notwendige Satz spürbar an.

Gerade diese kalkulatorischen Positionen werden in der Praxis häufig vergessen, obwohl sie entscheidend dafür sind, ob sich ein Betrieb langfristig trägt.

Warum der Stundensatz über Gewinn oder Dauerstress entscheidet

Der Stundenverrechnungssatz ist keine Zahl für den Aushang, sondern ein zentrales Steuerungsinstrument. Wer ihn nur an der Konkurrenz ausrichtet, riskiert stille Verluste. Wer seine eigenen Kosten kennt und den Satz regelmäßig überprüft, schafft Transparenz und sichert den wirtschaftlichen Erfolg der Werkstatt. Genau darin liegt der Unterschied zwischen viel Arbeit und nachhaltigem Gewinn.

Quelle: Magazin kfz-betrieb