Steigende Lohnnebenkosten setzen das Handwerk unter Druck

Steigende Lohnnebenkosten setzen das Handwerk unter Druck

Die Diskussion um höhere Sozialversicherungsbeiträge sorgt im Handwerk für Unruhe. Eine aktuelle Untersuchung zeigt, dass ausgerechnet jene Betriebe besonders stark betroffen wären, die ohnehin mit knappen Margen arbeiten. Vor allem kleine, personalintensive Handwerksunternehmen könnten eine pauschale Erhöhung der Lohnnebenkosten kaum abfedern.

Der Grund liegt in der Kostenstruktur der Branche. Während im gesamten Mittelstand die Personalkosten im Schnitt rund 35 Prozent der Gesamtausgaben ausmachen, liegt der Anteil im Handwerk deutlich höher. Nach Berechnungen des ifh Göttingen an der Universität Göttingen fließen im Handwerk durchschnittlich 37,5 Prozent der Kosten in Löhne und Gehälter. Jeder zusätzliche Prozentpunkt bei den Sozialabgaben trifft Betriebe damit spürbar schneller.

Große Unterschiede zwischen Regionen und Gewerken

Hinzu kommt, dass die Belastung innerhalb des Handwerks stark schwankt. In Sachsen-Anhalt liegt die Personalkostenquote bei über 43 Prozent, in Hamburg dagegen bei knapp 32 Prozent. Auch zwischen den Gewerken zeigen sich klare Unterschiede. Besonders arbeitsintensive Bereiche wie das Friseurhandwerk oder Maler- und Lackiererbetriebe haben einen hohen Anteil an Sozialversicherungsbeiträgen zu stemmen.

Gerade kleine Betriebe geraten hier ins Hintertreffen. Ihnen fehlen oft die Möglichkeiten, steigende Kosten durch größere Produktionsmengen oder effizientere Abläufe auszugleichen. Was bei größeren Unternehmen noch abgefedert werden kann, wird für den Ein- oder Zwei-Mann-Betrieb schnell zur Existenzfrage.

Warnung vor Ausweichreaktionen

Die Studienautoren sehen deshalb Risiken, die über reine Kostensteigerungen hinausgehen. Steigen die Lohnnebenkosten pauschal, könnten Betriebe versuchen, diese zu umgehen. Genannt werden unter anderem mehr Schwarzarbeit und ein weiterer Zuwachs an Solo-Selbstständigkeit. Schon in der Vergangenheit hatte sich dieser Trend deutlich gezeigt: Zwischen Mitte der 1990er-Jahre und 2010 nahm die Zahl der Ein-Personen-Betriebe im Handwerk stark zu, ihr Anteil lag zuletzt bei über 40 Prozent.

Problematisch ist dabei, dass sich hinter der formalen Selbstständigkeit nicht selten Scheinselbstständigkeit verbirgt. Klassische Beschäftigungsverhältnisse werden dann lediglich auf dem Papier umgewandelt. Besonders häufig tritt das laut Studie im Baugewerbe, bei komplexen Subunternehmerketten sowie in personenbezogenen Dienstleistungen wie dem Friseurhandwerk auf. Die Folge sind Wettbewerbsverzerrungen, unter denen vor allem regulär arbeitende Kleinbetriebe leiden.

Ruf nach differenzierten Lösungen

Statt pauschaler Maßnahmen plädieren die Fachleute für gezielte Entlastungen. Reformen der Sozialversicherung sollten stärker berücksichtigen, wie groß ein Betrieb ist, wie viele Beschäftigte er hat und wie arbeitsintensiv er arbeitet. Diskutiert werden etwa eine stärkere Steuerfinanzierung versicherungsfremder Leistungen oder spezielle Erleichterungen bei den Arbeitgeberbeiträgen.

Klar ist: Mit einer durchschnittlichen Personalkostenquote von 37,5 Prozent liegt das Handwerk bereits heute deutlich über dem Mittelstandsniveau. Weitere Belastungen ohne Differenzierung könnten die Struktur der Branche nachhaltig verändern und genau jene Betriebe treffen, die das Rückgrat des Handwerks bilden.

Quelle: Magazin genau