Handwerkerpreise erklärt: Was steckt im Stundensatz?

Handwerkerpreise erklärt: Was steckt im Stundensatz?

Viele Kundinnen und Kunden wundern sich über die scheinbar hohen Stundensätze von Handwerksbetrieben. Doch was auf den ersten Blick teuer wirkt, ist oft das Ergebnis komplexer betrieblicher Kalkulationen und nicht unbedingt ein Zeichen für überhöhte Preise. Eine genauere Betrachtung lohnt sich.

Handwerker-Stundensätze: Zwischen 60 und 95 Euro – aber warum?

Wer eine Handwerkerin oder einen Handwerker beauftragt, rechnet meist mit einem Stundensatz zwischen 60 und 85 Euro netto. Mit Mehrwertsteuer steigt dieser Betrag auf 71 bis 95 Euro. Diese Zahlen stammen aus der Betriebsberatung der Handwerkskammer Oldenburg, wo Michael Metzler regelmäßig Betriebe bei ihrer Kalkulation unterstützt. Er betont: „Diese Preisspanne ist die Realität bei etwa 80 bis 95 Prozent der Betriebe in unserer Region.“

Doch es geht auch günstiger – oder deutlich teurer. Einige Betriebe liegen bei nur 50 Euro, andere verlangen bis zu 200 Euro pro Stunde. Was auf den ersten Blick wie Willkür wirkt, hat in der Praxis oft gute Gründe.

Warum ein Einheitspreis wenig aussagt

Ein fixer Durchschnittswert sei wenig hilfreich, erklärt Metzler. Denn der tatsächliche Stundensatz eines Handwerkers hängt von vielen Faktoren ab, darunter:

  • Branche und Spezialisierung
  • Qualifikation des Mitarbeiters
  • Standort des Betriebs
  • Maschineneinsatz und Technik
  • Betriebliche Gemeinkosten
  • Feiertags-, Wochenend- oder Notdienstzuschläge
  • Kundenwünsche wie Nachhaltigkeitszertifikate

Ein Handwerker, der moderne Maschinen nutzt oder in Weiterbildung investiert, kalkuliert zwangsläufig anders als ein kleiner Familienbetrieb mit einfacher Ausstattung.

Beispielrechnung: Was steckt in einer Handwerkerstunde?

Wie sich diese Unterschiede konkret auswirken, zeigen zwei typische Beispiele:

  1. Bauhauptgewerbe (z. B. Rohbauarbeiten)
  • Stundenlohn eines Gesellen: ca. 18 Euro
  • Gemeinkosten (inkl. Maschinen, Verwaltung etc.): 80–120 %, in Spezialbetrieben sogar bis zu 240 %
  • Ergebnis: Stundensatz zwischen 32 und 61 Euro netto – ohne Zusatzkosten
  1. Ausbaugewerbe (z. B. Innenausbau)
  • Stundenlohn: ca. 17,50 Euro
  • Gemeinkosten: rund 70 %
  • Ergebnis: Stundensatz ca. 30 Euro

Die Unterschiede zeigen: Der Stundensatz eines Handwerkers hängt weniger vom Lohn ab, sondern viel mehr vom betriebswirtschaftlichen Aufwand, der dahintersteckt.

Teurer ist nicht automatisch schlechter oder besser

Viele Kundinnen und Kunden orientieren sich bei der Auftragsvergabe am Preis. Doch Metzler warnt: „Wer nur auf den Stundensatz schaut, sieht nicht das ganze Bild.“

Ein höherer Stundensatz kann Ausdruck von Effizienz sein. Beispiel:

  • Betrieb A verlangt 100 Euro pro Stunde, benötigt aber nur 10 Stunden
  • Betrieb B verlangt 50 Euro pro Stunde, braucht aber 25 Stunden

Das Ergebnis: Betrieb A ist mit 1.000 Euro günstiger als Betrieb B mit 1.250 Euro – trotz doppelt so hohem Stundensatz.

Transparenz schafft Vertrauen

Was tun, wenn Kundinnen oder Kunden den Preis infrage stellen? Dann ist Aufklärung gefragt, allerdings mit Augenmaß. Handwerksbetriebe sollten offen erklären, warum ihre Preise so kalkuliert sind, aber nicht jede Zahl im Detail offenlegen. Empfehlenswerte Aussagen könnten sein:

  • „Wir investieren regelmäßig in Weiterbildung, das spart Zeit auf der Baustelle.“
  • „Moderne Maschinen sorgen für mehr Präzision und schnellere Ausführung.“
  • „Wir achten auf nachhaltige Materialien, das verursacht höhere, aber faire Kosten.“

Der Preis der Verantwortung

Letzten Endes geht es um wirtschaftliche Stabilität: „Ein Betrieb, der dauerhaft unter Preis arbeitet, gefährdet seine Existenz“, warnt Metzler. Faire Stundensätze seien nicht nur legitim, sondern für langfristige Qualität, Mitarbeiterzufriedenheit und Investitionsfähigkeit notwendig.

Nicht der Preis entscheidet – sondern das Ergebnis

Wer einen Handwerksbetrieb beauftragt, sollte sich nicht allein vom Stundenpreis leiten lassen. Viel entscheidender ist, wie effizient und hochwertig die Arbeit ausgeführt wird. Transparenz und Vertrauen zahlen sich für beide Seiten aus.

Quelle: Magazin Norddeutsches Handwerk