Fachkräftemangel im Handwerk bedroht Betriebe und Standorte
Der Mangel an qualifizierten Fachkräften entwickelt sich für viele Handwerksbetriebe zu einer ernsthaften Belastungsprobe. Eine aktuelle Umfrage unter Führungskräften aus dem Kfz-Gewerbe zeigt, wie stark der Druck inzwischen ist. Für zahlreiche Unternehmen geht es längst nicht mehr nur um Wachstum oder Komfort, sondern um die wirtschaftliche Existenz.
Mehr als die Hälfte der befragten Betriebe sieht sich durch fehlendes Personal existenziell gefährdet. Jeder zehnte Betrieb spürt die Folgen bereits unmittelbar, weitere viele rechnen innerhalb der nächsten drei Jahre mit ernsthaften Problemen. Besonders kritisch ist die Lage für kleine und mittelgroße Unternehmen. Gerade Betriebe mit 11 bis 30 Beschäftigten berichten überdurchschnittlich häufig, dass der Fachkräftemangel ihre Zukunft bedroht. Größere Unternehmen sind zwar besser aufgestellt, aber keineswegs immun.
Werkstattpersonal am dringendsten gesucht
Der Engpass zeigt sich vor allem dort, wo das Handwerk praktisch wird. In den Werkstätten fehlen Fachkräfte am massivsten. Fast alle Betriebe, die aktuell Personal suchen, melden offene Stellen in diesem Bereich. Besonders schwierig ist es, Kfz-Mechatroniker zu finden, noch angespannter ist die Lage im Karosserie- und Nutzfahrzeugbereich. Viele Betriebe berichten, dass entsprechende Stellen über lange Zeit unbesetzt bleiben, weil passende Bewerber schlicht fehlen.
Etwas entspannter ist die Situation außerhalb der Werkstatt. Im Verkauf, in der Verwaltung oder im Marketing gestaltet sich die Suche weniger dramatisch, bleibt aber auch dort herausfordernd. Vor allem Serviceberater sind vielerorts weiterhin schwer zu besetzen.
Nicht die Anzahl, sondern die Qualität fehlt
Auffällig ist, dass viele Betriebe weniger über zu wenige Bewerbungen klagen, sondern über deren Qualität. Ein Großteil der Befragten gibt an, dass eingehende Bewerbungen häufig fachlich oder inhaltlich nicht zu den offenen Stellen passen. Besonders ärgerlich empfinden viele Unternehmer, dass Profile und Qualifikationen oft an den tatsächlichen Anforderungen im Betrieb vorbeigehen.
Hinzu kommt der starke Wettbewerb um Fachkräfte. In vielen Regionen konkurrieren Handwerksbetriebe direkt miteinander um dieselben wenigen qualifizierten Bewerber. Besonders im Westen Deutschlands spüren Unternehmen diesen Konkurrenzdruck deutlich.
Regionale Unterschiede und strukturelle Probleme
Auch regional zeigen sich Unterschiede. Während im Süden Deutschlands etwas weniger Betriebe aktiv Fachkräfte suchen, ist der Bedarf in anderen Regionen deutlich höher. Insgesamt haben jedoch mehr als 60 Prozent der Unternehmen offene Stellen, die langfristig nicht besetzt werden können. Das ist ein klares Warnsignal für das gesamte Handwerk.
Sparen am Personal bleibt die Ausnahme
Trotz schwacher Konjunktur und steigender Kosten reagieren die meisten Betriebe bislang zurückhaltend, wenn es um Personalabbau geht. Nur eine kleine Minderheit plant, Stellen zu streichen. Einige Unternehmen wollen zwar Personalkosten senken, doch großflächige Einschnitte sind aktuell nicht die Regel. Einstellungsstopps gibt es vereinzelt, sie betreffen meist Verwaltung, Unternehmensführung oder Marketing, nicht jedoch die handwerklichen Kernbereiche.
Fachkräftemangel bleibt eine der größten Herausforderungen
Die Ergebnisse zeigen deutlich, wie angespannt die Lage im Handwerk ist. Der Fachkräftemangel ist kein kurzfristiges Problem, sondern eine strukturelle Herausforderung mit spürbaren Folgen für Betriebe, Beschäftigte und Kunden. Ohne qualifiziertes Personal geraten selbst wirtschaftlich gesunde Unternehmen unter Druck. Für viele Handwerksbetriebe entscheidet sich die Zukunft längst nicht mehr im Auftragsbuch, sondern auf dem Arbeitsmarkt.
Quelle: Magazin kfz-betrieb