Krankmeldungen im Handwerk: Warum gutes Fehlzeitenmanagement entscheidend ist
Immer mehr Handwerksbetriebe kämpfen mit hohen Fehlzeiten ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Dabei geht es nicht nur um Krankheitswellen, sondern oft auch um Führungsfragen, Arbeitsklima und mangelnde Prävention. Ein gezieltes Fehlzeitenmanagement kann hier den entscheidenden Unterschied machen – und sorgt gleichzeitig für ein besseres Betriebsklima.
Wenn Mitarbeitende häufiger krank sind als erwartet
Erkrankungen gehören zum Arbeitsalltag, doch wenn Beschäftigte überdurchschnittlich oft fehlen, sollten Betriebe genauer hinschauen. Laut der Personalberaterin Maren Ulbrich entstehen viele Fehlzeiten nicht nur durch gesundheitliche Gründe, sondern auch durch schlechte Stimmung im Team, unklare Kommunikation oder Überlastung am Arbeitsplatz.
Eine Studie der IKK classic zeigt deutliche Unterschiede zwischen den Gewerken:
- Augenoptiker melden im Schnitt nur 7,7 Fehltage pro Jahr
- Maurer hingegen liegen mit 19,2 Tagen an der Spitze
- Im Durchschnitt dauert eine Krankheitsphase im Handwerk 12,7 Tage
Rückkehrgespräche: Ein Schlüssel zur Prävention
Ulbrich rät Betrieben dazu, nach längeren Krankheitsphasen nicht einfach zum Alltag überzugehen. Rückkehrgespräche schaffen Vertrauen, wenn sie wertschätzend und gut vorbereitet geführt werden.
„Es geht nicht darum, Vorwürfe zu machen, sondern Lösungen zu finden“, betont die Expertin. Arbeitgeber sollten nachfragen, welche Hilfsmittel, Veränderungen oder Entlastungen den Mitarbeitenden helfen könnten, wieder gesund im Job Fuß zu fassen.
Ursachen erkennen und vorbeugen
Besonders wirkungsvoll sei es, Ursachen für Fehlzeiten systematisch zu analysieren. Dazu gehören regelmäßige Check-ups der Arbeitszufriedenheit – ob durch anonyme Umfragen oder direkte Einzelgespräche. Typische Problemfelder sind fehlende Arbeitsmittel, fehlende Weiterbildungen, zu hohe Belastung oder eine unklare Teamstruktur.
Laut IKK classic wünschen sich Beschäftigte im Handwerk vor allem drei Maßnahmen:
- Rückentraining
- Bewegungsangebote
- Stressbewältigung & Entspannungskurse
Wenn Führungskräfte auf diese Bedürfnisse eingehen und offen kommunizieren, steigt nicht nur die Gesundheit, sondern auch die Loyalität der Belegschaft.
Gute Führung reduziert Krankmeldungen
Ein entscheidender Faktor ist die Führungskompetenz. Unzufriedenheit mit Vorgesetzten zählt zu den größten Treibern von Fehlzeiten. Ulbrich betont: „Gute Führung kann viele Krankmeldungen verhindern.“
Das bedeutet für Chefs im Handwerk: Teamkonflikte erkennen, Alters- und Werteunterschiede berücksichtigen und für Gleichbehandlung sorgen. Wer Ungleichgewichte frühzeitig anspricht und langfristige Lösungen entwickelt, stärkt das Vertrauen und senkt den Krankenstand nachhaltig.
Quelle: Magazin Norddeutsches Handwerk